Archive für September 2009

Eine Marchingbandprobe ist kein Wunschkonzert

…aber lustig!
Morgens geht es wie immer um 7 zur Schule. Allerdings geht es nach der Schule um 14:30 Uhr nicht nach Hause sondern in den Bandraum. Dort werden dann Hausaufgaben gemacht. Ab 15:30 Uhr machen wir vom Front Ensemble uns dann für die Proben bereit. Das bedeutet wir rollen die Marimbas, Vibs, Tympanies und die Rack Combo für den Abtransport zum Bandfeld aus dem Raum und laden sie auf die Anhänger des schuleigenen Cub Cars. Nachdem ich dann meine Chimes zum Feld gezogen habe und den Wind- Brass- und Drum Ensembles beim Warmmachen zugeguckt habe, fange ich schonmal mit den Vorbereitungen für das Verkabeln an. Die beiden Vibes und die drei Marimbas, werden wie auch das Keyboard, über Mikros verstärkt. Sonst hätten wir kein Durchkommen gegen die Bläser und Trommler. Gegen 16:15 Uhr haben dann die Proben begonnen. Zu erst spielen die Sections unter sich. Die Drumline wärmt sich auf, die Bläser spielen und marschieren sich ein und das Front Ensemble wärmt sich mit ein paar langsamen oder auch schnellen Melodien auf. Danach beginnt die Probe der einzelnen Stücke. Hauptsächlich wird die Mischung aus Marschieren und Musizieren geübt. Die Marching People müssen sich 56 Koordinaten auf dem Footballfeld merken und wissen wann sie wie gehen müssen. Als Piccoloflöte ist das eine Sache, als Bassdrumspieler, der nicht gradeaus gucken kann, ist das dann was anderes. Es werden also ein paar Takte gespielt und während Mr. Steward die Positionen der Musiker korregiert erzählt das Front Ensemble sich Witze und Drum Major Megan staucht alle (außer das Front Ensemble) zusammen weil geredet wird. Ich glaube Ekhard Wycik hatte Recht als er sagte, das Orchester und Dirigent sich wie Schüler und Lehrer gegenüberstehen. Dazu später einmal mehr…

So läuft die 3 1/2 Stuundenprobe also. Es geht Takt für Takt voran (manchmal arbeitet man auch 30 Minuten an einem Takt) und zwischendurch gibt es Trinkpausen. Um 19:25 Uhr trommelt Mr. Steward, dessen Stimme immer krächtzender wird, dann die komplette Band zusammen und hält eine Ansprache die entweder sagt, dass wir gut waren oder das wir alle völlige Scheiße verzapft haben. Aber egal ob gut oder schlecht, besser geht immer. Danach gehen die einzelnen Sections nocheinmal zusammen un es gibt eine Abschlussbesprechung. Die hält sich bei uns recht kurz, da wir unsere Instrumente nicht in einen Koffer packen und gehen können, sondern alle Kabel aufrollen und die Instrumente für den Rücktransport verladen müssen. So gegen 20:15 Uhr sind dann alle Instrumente im Bandraum verstaut und die Heimreise kann angetreten werden. Da Andrew, Derek und ich normalerweise bei Dairy Queen noch einen Burger einwerfen und Derek auch nach Hause gebracht werden will bin ich meißt erst um 21:00 Uhr zu Hause.

So geht also ein anstrengender Bandtag zu Ende. Wie eine ganze Woche mit Sectionals und Away-Game aussieht erzähle ich beim nächsten Mal. Vorher könnt ihr die Webseite der Marchingband besuchen. Noch gibt es aber keine Bilder von mir.

http://www.schsbandboosters.org/

Universal Studios

Heute waren wir in dem Universal Stuidos Freizeitpark. Dort haben wir ein paar nette Stunden mit leichteren Fahrten verbracht. Als erstes ware wir auf dem Jimmy Neutron Simulato. Nachdem uns die 40-Minuten Schlange bei dem Simpsons Simulator zu lang war sind wir zu “Jaws” gegangen. In dieser Trivia-Bootsfahrt durch das von Weißen Haien befallene Dorf Amity wurden wir erstmal gut nass gemacht. In den “DISASTER Studios” wurde dann gezeigt, wie ein Film entsteht. Am Ausgang von den DISASTER Studios habe ich dann ein Foto mit meinem großen Idol gemacht:

Me and Spongebob

Nach der Fahrt auf “The Revenge Of The Mummy”, eine kleine Achterbahn, die komplett indoor verläuft haben wir uns dann auch auf den Heimweg gemacht.

universal ball

hippi

Can you hear the music?

Diese Frage lässt sich seit Freitagabend mit NEIN beantworten.

Was die Frage zu bedeuten hat, kann ich euch erklären. Ich habe mich entschlossen in die St. Cloud High School Marching Band einzusteigen. Die Marching Band ist sozusagen das Schulorchester. Auftritte sind normalerweise bei Footballspielen der Schulmannschaft, da werden dann vor dem Spiel die Nationalhymne und in der Halbzeitpause 3 weitere Stücke gespielt. Nachdem ich letzten Freitag beim Auswärtsspiel in Oceola nur beim Auf- und Abbau geholfen habe, bin ich am Dienstag in die Proben eingestiegen. Klar war, dass ich nicht Gitarre spiele, sondern ein Percussion Instrument übernehmen soll. Vor der Probe wurden mir dann die Chimes anvertraut. Chimes sind ein Glockenspiel, das aus mehreren (bei mir 20) Metallrohren besteht. Diese Rohre werden mit Holzhämmern angeschlagen. Mit einem Fußpedal kann ich den Klang dann verlängern oder abdämpfen. Das Istrument ist für mich genau richtig. Es ist im Ensemble kaum zu hören und wenn es fehlt, fällt es kaum auf. Perfekt also, in Anbetracht der Tatsache, dass ich bis vor 14 Tagen nicht von der Existenz eines solchen Instrumentes wusste.

Im Moment befindet sich die Marching Band - unter Leitung von John Steward (mein Musiklehrer) -  in einer durchaus ernsten Krise. Beim letzten Bandcamp haben sich etliche Musiker mit irgendeiner Grippe infiziert. Von den ursprünglich über 80 Leuten sind teilweise nur 30 - 40 musizierfähig. Beste Voraussetzungen also. Neben mir sind dieses Jahr auch die beiden Taiwanerinnen und Oscar aus Honduras dem Front Ensemble der Marching Band beigetreten. So waren wir schon 4 Leute, die in der ersten Reihe stehen und ihr Instrument noch nie gespielt haben. Zur Info: Das Front Ensemble besteht aus den schweren Percussion Instrumenten (Chimes, Xylophone, Basstrommel, Gong, etc.) Das Front Ensemble marschiert nicht, sondern steht nur vor dem Rest der Band.

Auch wenn ich meine Parts in den 3 Stücken der Half-Time-Show gar nicht bis minimal beherrsche, wollte und sollte ich beim nächsten Heimspiel gegen die Martin County Tigers schon mit der Band spielen. Dieses Spiel sollte ausgerechnet auf den 11. September fallen - 9/11. Für mich sollte dieser 11. September zu einem ganz besonderen Tag werden. Den ganzen Tag über lag eine besondere Stimmung über St. Cloud, Florida und den USA. Wenn man den Alltag nicht kennt, wäre einem nicht aufgefallen, dass die Schülerlotsin mir keinen “nice day”, sondern einen “safe day” gewünscht hat. Ganz viele Kleinigkeiten dieser Art kommen da zusammen.

Vor dem Spielen der Nationalhymne am Abend wurde eine Schweigeminute eingelegt. Während der Nationalhymne hatten auch wir Ausländer nach Bitte von Mr. Steward die Hand auf dem Herzen. Sieht einheitlich aus. Mr. Steward ist Perfektionist. Nach den genauen Marschinstruktionen von meinem “Mentor” Casey sind wir dann mit unseren Instrumenten vor die Haupttribüne getreten. Dann ging es los. 12 Takte Intro, dann D B C D E in halben Noten und mein Job beim ersten Stück war getan. Aber im zweiten musste ich auch ran. American Elegy. Ein Stück, in dem getrauert wird um alles was Amerikaner verloren haben. Von der Challenger über 9/11 bis hin zu diversen Amokläufen. Da habe ich mich sehr drauf gefreut. Das Trompeten Intro von Junior (er heißt wirklich so) wurde nur von einem sanften Trommelwirbel und meinem wohlklingenden F Rohr begleitet. Das war die so ziemlich einzige Stelle, in der wenigstens ich mich hören konnte. Elijah, der den Trommelwirbel gespielt hat, war sich aber auch sicher ein sanftes F aus meiner Richtung wahrgenommen zu haben. Da waren wir aber auch die einzigen zwei. Soviel also zu “Can you hear the music?”.

Da wir wegen Regens schnell wieder abbauen mussten, blieb leider keine Zeit für ordentliche Fotos von mir in meiner Uniform. Hier aber mal zwei Eindrücke vom Auftrtt:

Auftritt 9/11 01

Auftritt 9/11 02

Nach dem Aufräumen wurde dann im Bandraum noch der 36. (Achtung Ironie!!) Geburtstag von dem guten John Steward gefeiert. Hier ist zu erwähnen, dass Mr. Steward das Gegenstück zum “heimischen” Herrn Jost ist. Klein, manchmal hektisch und ein toller Typ und Lehrer.

So langsam kehrt Alltag ein

Ja der Alltag macht sich in meinem amerikanischen Leben breit. Damit meine ich jetzt nicht, dass ich zu Beginn der Lunchbreak rennen muss um was warmes zu essen zu kriegen, sondern eher dieses monotone Aufstehen um 6:20 Uhr, den Müsli um 06:28 Uhr in die Schale zu schütten und das Aufs-Fahrrad-Setzen um 7:04 Uhr.

Coach Mullens Sportunterricht beginnt dann mit dem bei mir sehr beliebten Dehnen. Sowas wird im heimischen Sportuntericht ja gerne mal übersprungen. Was ich dann von dem Rest des Unterrichts lernen soll, weiß ich nicht. Mr. Plews AP Physics Kurs ist dann schon etwas produktiver. Noch kann ich da mein Vorwissen als einer von 3, die vorher schonmal Physik hatten, ausnutzen. Wie lange das noch geht weiß ich nicht. Mr Bierly’s Geschichtsunterricht ist dann irgentwie….naja….überflüssig. Lernen tut man da was, das hat aber nichts mit Bierly’s Lehr-Fähigkeiten zu tun sondern eher damit, dass man die Stunde rum bekommen will und dann im Buch blättert. An der Stelle an der ich bis Donnerstag noch dieses herzlich überflüssige “Peronal Fitness” hatte, habe ich ab sofort Drama. Ja DRAMA BABY DRAMA. Bin mal gespannt wie das wird.

Dann kommt die Zeit in der Schule Sinn macht. Es kommt die Lunchbreak. Die Lunchbreak beginnt mit einem gepflegten Um-die-Wette-Gehen wer als erster in der Reihe zur Essensausgabe steht. Wenn man dann an diesem vergitterten Fensterchen steht darf man zwischen einer Auswahl amerikanischer Delikatessen wählen. Meine bevorzugte wahl fällt da auf Cheeseburger und Pizza oder Cheesesticks. Dem Cheeseburger muss man zwar mit Ketchup und Mayo etwas Geschmack geben, er lässt sich dann aber auch gut verzehren. Die Pizza (mal mit mal ohne Salami) schmeckt (wenn sie denn warm ist) auch ganz gut und die Cheesesticks sind sowieso eine geniale Idee.

Auf die Lunchbreak folgt dann die Percussion Class, oder auch Musik Technik. Da lernen wir dann die richtige Haltung beim Spielen mit Sticks und in der nächsten Zeit werden wir uns ans Schlagzeug setzten. Percussion Class ist mit Abstand mein Lieblingsfach. Man sitzt nicht nur an Tischen sondern steht im Raum herum, sitzt im Kreis und macht natürlich Musik. Mr. Stewart hat auch kein Problem damit, wenn man etwas füher aus der Pause kommt und sich dann ein Bisschen am Schlagzeug vergnügt. Ohne die 5. Stunde wäre die Schule für mich wohl recht trostlos. Miss Blackburn kann da mit ihrem langweiligen Englischunterricht auch nichts dran ändern. Den Algebra II Kurs bei Mr. Deluca in der 7. Stunde kann man aber problemlos ertragen und es macht sogar Spaß. Ja, Mathe in den USA macht Spaß.

Nach dem Unterricht darf ich dann den kompletten Campus hoch zu meinem Schließfach rennen um meine kiloschweren Bücher zuu verstauen und dann kann ich wieder zurücklatschen und mich auf mein Fahrrad schwingen. So geht das dann mehr oder weniger jeden Tag…

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