Still alive

Kommt vielleicht überraschend, aber ich lebe wirklich noch…

Ich hätte wohl auch öfter geschrieben, wenn ich Zeit hätte. Manchmal weiß ich auch nicht was ich schreiben soll. Da muss ich dann improvisieren, wie jetzt zum Beispiel. Da hilft es evetuell, dass wir im Drama Unterricht grade das Thema Improvisation besprechen. Und siehe da, ich habe euch schon was spannendes erzählt. Ich könnte euch auch erzählen, warum ich keine Zeit habe. Einerseits sind da die Marching Band Proben. Die gehen trotz Dunkelheit ab halb 6 gnadenlos bis halb 8 weiter. Am Samstag ist dann die letzte Competition und am 21.11. sind dann sie Florida State Semi-Finals in Tampa. Wenn wir da unter die besten 5 kommen fahren wir am gleichen Tag zu den State Finals nach St. Petersburg in den Tropicana Dome.

Dazu kommen dann noch diverse Hausaufgaben und das Lernen für Tests.Ab und zu muss ich Montags oder Mittwochs auch erstmal ein kleines Nickerchen machen um nach einem anstrengenden Schultag ansprechbar zu sein. Da bleibt dann nicht geenug Zeit um sich hin zusetzen und konzentriert zu arbeiten. Soein Beitrag soll ja auch gut sein.

Wenn ihr es noch nicht gesehen habt, es gibt wieder neue Bilder in der Galerie. Ich habe diverse Bilder aus New York hochgeladen, die mir von Freunden zur Verfügung gestellt wurde. Danke nochmal dafür an Lula, Mike, Marc und Jan-Lukas.

Jetzt überlege ich grade wieder was ich noch schreiben soll. ich könnte ja erwähnen, dass ich in einer chaotischen Aufführung von Oedipus Rex als moderne Version den King Ozzy gespielt habe, ich könnte erwähnen, dass ich mir eine E-Gitarre gegauft habe (Fender Squier Tele mit Line 6 15″ Amp) oder dass ich letzten Sonntag Pauline in Lakeland besucht habe. Ich könnte noch schreiben, dass wir in der Zwischenzeit zwei Competitions hatten. In Tarpon Springs haben wir ziemlich enttäuscht. An dem Wochenende war es überigens saukalt. Das erste mal, dass ich draussen gefroren habe. Bei der District MBA haben wir allesdings en Superior (also das bestmögliche) bekommen. Außerdem erwähnenswert ist, dass sich das Wetter gebessert hat und es jetzt weniger regnet und auch ab und zu an die 30° C warm wird.

Jetzt muss ich aber leider erwähnen, dass ich totmüde bin und schlafen muss. In dem Sinne

Bis die Tage

And the award goes to…

…the St. Cloud High School Marching Band!

Diesen Satzt haben wir am Samstagabend ganze 5 mal gehört. Am Samstag fand nämlich die erste Bandcompetition der Saison statt.

Dieser Competition ging die härteste aller bisherigen Wochen voran. Montag war der einzige Tag, an dem nicht  geprobt wurde. Am Dienstag wurden normal 3,5 Stunden geprobt, am Mittwoch waren 2 Stunden lang Sectionals (daprobt jede Section für sich alleine), am Donnerstag war auch normale Bandprobe, am Freitag war eine 2 Stunden Zusatzprobe im Footballstadion und auch am Freitag Morgen wurden nochmal 3,5 Stunden im Footballstadion geprobt. Wir waren also bestens vorbereitet…

So ging es dann um 15:30 Uhr von der Schule aus mit zwei Charterbussen zur Timber Creek High School. Um auf Nummer Sicher zu gehen wurde aus dem Aufwärmen eine weitere Probe. Unsere Performance sollte um 19:45 Uhr stattfinden, also unter Flutlicht, und so haben wir um halb sieben angefangen unsere Instrumente zum Stadion zu bringen. Pünktlich um 19:30 Uhr haben wir unsere Instrumente auf der Laufbahn bereitgestellt und uns die Performance der anderen Band anzusehen. Um 19:15 Uhr hatte die dritte Band in unserer Gruppe gespielt.

Wir haben in der Gruppe AAA (3A) gespielt. Das bedeutet es gibt 3 Bands in der Gruppe. In der Gruppe A spielt also nur eine Band, in der Gruppe AA spielen 2 und in der Gruppe AAAA spielen 4 Bands. Umso mehr Gruppenmitglieder, umso größer sind die Bands. Mir wurde gesagt, dass die Marching Band unserer Schule zu den besten der Gegend ist aber nicht sehr groß (ca. 80 Musiker). In jeder Gruppe werden mehrere Awards verliehen. So gibt es einmal den Gruppensieg zu vergeben, der wird mit der besten Gesamtpunktzahl ermittelt. Es gibt aber auch Awards für die beste Musik (Most Outstanding Music), die besste Percussion Section (Most Outstanding Percussion Performance), den besten Gesamteindruck (Best General Effect), das beste Marching (Most Outstanding Visiual) und die beste Guard Performance (Most Outstanding Auxillary) und natürlich den Wettbewerbs Gesamtsieg. Dieser Preis wird der Band verliehen, die die höchste Punktzahl im ganzen Wettbewerb erreicht hat.

Unsere Performance gefiehl mir ganz gut. Auch wenn ich eigene Fehler gefunden habe bin ich froh, dass ich endlich auch bestimmte Sätze sicher und laut spielen kann. Auch bei dem Rest der Band sind mir keine groben Schlitzer aufgefallen. Wie das Marching war, wusste ich zu dem Zeitpunkt natürlich nicht. Nach unserer Performance haben wir dann schnell das Feld geräumt und unsere Instrumente im Lkw verstaut, etwas gegessen und uns dann auf unseren ausgewiesenen Plätze auf der Gegentribühne gesetzt. Von dort aus haben wir dann die Auftritte der Marching Bands der Timber Creek High School und der University of Central Florida (beide außer Konkurenz) gesehen. Ich finde unsere Band ja ganz gut aber was UCF Knights geleistet hat war von einem anderen Planeten. Die haben durchaus bekannte Sachen gespielt und dem Marching Band Festival die Krone aufgesetzt. Nach einer “super” Performance haben die sogar eine Zugabe gespielt. Jetzt kam aber kein Marching-Uf-Ta-Ta sondern Thriller von Michael Jackson. Nein ich verarsche Euch nicht und ja ich habe noch alle Tassen im Schrank. Diese Performance hat mein Weltbild von Marching Bands doch durchaus verändert. Der absolute musikalische Höhepunkt kam, als die halbe Band die Instrumente auf den Rasen gelegt hat und dann Thriller getanzt hat. Das war dann “affengeil”. Einfach beeindruckend.

Nach den beiden Performances kam dann die Siegerehruung. Marching Band ist eine sehr professionelle Aktivität. Bei der Siegerehrung wird bei jeder Ehrung zart geklatscht und wenn man selbst ausgezeichnet wird, wird Stellung eingenommen und nicht geklatscht. Casey sagte nur “Wenn Du einmal im Leben professionell sein willst, ist jetzt der richtige zeitpunkt dafür.”. Dann wurden die Sieger also bekannt gegeben. Schon die erste Kategorie, der “Award For The Most Outstanding Music Performance“, ging an uns. Auch in der zweiten Kategorie (Award For The Most Outstanding Visiual Performance) wurden wir ausgezeichnet. Die dritte Kategorie, der Preis für den besten General Effect, mussten wir uns mit der Olympia High School teilen. Die Olympia HS durfte auch in der Kategorie für die beste Guard Performance (Auxillary) jubeln. Diese Amateure haben wirklich gejubelt… Dann kam der wichtigste Award: The Award For The Most Outstanding Percussion Performance goes to the Saint Could High School Marching Band! Damit war der Abend perfekt. Dass wir auch den Gruppensieg geholt haben interessierte nur die Winds und Brass Section. Das Front Ensemble und die Drumline war mit dem Percussion Award zufrieden. So auch ich. Nach der Siegerehrung gingen wir dann zu den Bussen und haben uns auf den Heimweg gemacht. Wir haben hinten in Bus 2 doch ordentlich gefeiert. Gegen 00:00 Uhr waren wir dann an der Schule und nach Abladen und verabschieden waren Andrew und ich um 01:00 Uhr zu Hause.

Am Montagmorgen wurde dann bekannt, dass wir nach Punkten sogar die zweitbeste Percussion Performance des gesamten Abends dargeboten haben.

Pokal

Der Percussion Award, im Hintergrund der Gruppensiegpokal

Eine Marchingbandprobe ist kein Wunschkonzert

…aber lustig!
Morgens geht es wie immer um 7 zur Schule. Allerdings geht es nach der Schule um 14:30 Uhr nicht nach Hause sondern in den Bandraum. Dort werden dann Hausaufgaben gemacht. Ab 15:30 Uhr machen wir vom Front Ensemble uns dann für die Proben bereit. Das bedeutet wir rollen die Marimbas, Vibs, Tympanies und die Rack Combo für den Abtransport zum Bandfeld aus dem Raum und laden sie auf die Anhänger des schuleigenen Cub Cars. Nachdem ich dann meine Chimes zum Feld gezogen habe und den Wind- Brass- und Drum Ensembles beim Warmmachen zugeguckt habe, fange ich schonmal mit den Vorbereitungen für das Verkabeln an. Die beiden Vibes und die drei Marimbas, werden wie auch das Keyboard, über Mikros verstärkt. Sonst hätten wir kein Durchkommen gegen die Bläser und Trommler. Gegen 16:15 Uhr haben dann die Proben begonnen. Zu erst spielen die Sections unter sich. Die Drumline wärmt sich auf, die Bläser spielen und marschieren sich ein und das Front Ensemble wärmt sich mit ein paar langsamen oder auch schnellen Melodien auf. Danach beginnt die Probe der einzelnen Stücke. Hauptsächlich wird die Mischung aus Marschieren und Musizieren geübt. Die Marching People müssen sich 56 Koordinaten auf dem Footballfeld merken und wissen wann sie wie gehen müssen. Als Piccoloflöte ist das eine Sache, als Bassdrumspieler, der nicht gradeaus gucken kann, ist das dann was anderes. Es werden also ein paar Takte gespielt und während Mr. Steward die Positionen der Musiker korregiert erzählt das Front Ensemble sich Witze und Drum Major Megan staucht alle (außer das Front Ensemble) zusammen weil geredet wird. Ich glaube Ekhard Wycik hatte Recht als er sagte, das Orchester und Dirigent sich wie Schüler und Lehrer gegenüberstehen. Dazu später einmal mehr…

So läuft die 3 1/2 Stuundenprobe also. Es geht Takt für Takt voran (manchmal arbeitet man auch 30 Minuten an einem Takt) und zwischendurch gibt es Trinkpausen. Um 19:25 Uhr trommelt Mr. Steward, dessen Stimme immer krächtzender wird, dann die komplette Band zusammen und hält eine Ansprache die entweder sagt, dass wir gut waren oder das wir alle völlige Scheiße verzapft haben. Aber egal ob gut oder schlecht, besser geht immer. Danach gehen die einzelnen Sections nocheinmal zusammen un es gibt eine Abschlussbesprechung. Die hält sich bei uns recht kurz, da wir unsere Instrumente nicht in einen Koffer packen und gehen können, sondern alle Kabel aufrollen und die Instrumente für den Rücktransport verladen müssen. So gegen 20:15 Uhr sind dann alle Instrumente im Bandraum verstaut und die Heimreise kann angetreten werden. Da Andrew, Derek und ich normalerweise bei Dairy Queen noch einen Burger einwerfen und Derek auch nach Hause gebracht werden will bin ich meißt erst um 21:00 Uhr zu Hause.

So geht also ein anstrengender Bandtag zu Ende. Wie eine ganze Woche mit Sectionals und Away-Game aussieht erzähle ich beim nächsten Mal. Vorher könnt ihr die Webseite der Marchingband besuchen. Noch gibt es aber keine Bilder von mir.

http://www.schsbandboosters.org/

Universal Studios

Heute waren wir in dem Universal Stuidos Freizeitpark. Dort haben wir ein paar nette Stunden mit leichteren Fahrten verbracht. Als erstes ware wir auf dem Jimmy Neutron Simulato. Nachdem uns die 40-Minuten Schlange bei dem Simpsons Simulator zu lang war sind wir zu “Jaws” gegangen. In dieser Trivia-Bootsfahrt durch das von Weißen Haien befallene Dorf Amity wurden wir erstmal gut nass gemacht. In den “DISASTER Studios” wurde dann gezeigt, wie ein Film entsteht. Am Ausgang von den DISASTER Studios habe ich dann ein Foto mit meinem großen Idol gemacht:

Me and Spongebob

Nach der Fahrt auf “The Revenge Of The Mummy”, eine kleine Achterbahn, die komplett indoor verläuft haben wir uns dann auch auf den Heimweg gemacht.

universal ball

hippi

Can you hear the music?

Diese Frage lässt sich seit Freitagabend mit NEIN beantworten.

Was die Frage zu bedeuten hat, kann ich euch erklären. Ich habe mich entschlossen in die St. Cloud High School Marching Band einzusteigen. Die Marching Band ist sozusagen das Schulorchester. Auftritte sind normalerweise bei Footballspielen der Schulmannschaft, da werden dann vor dem Spiel die Nationalhymne und in der Halbzeitpause 3 weitere Stücke gespielt. Nachdem ich letzten Freitag beim Auswärtsspiel in Oceola nur beim Auf- und Abbau geholfen habe, bin ich am Dienstag in die Proben eingestiegen. Klar war, dass ich nicht Gitarre spiele, sondern ein Percussion Instrument übernehmen soll. Vor der Probe wurden mir dann die Chimes anvertraut. Chimes sind ein Glockenspiel, das aus mehreren (bei mir 20) Metallrohren besteht. Diese Rohre werden mit Holzhämmern angeschlagen. Mit einem Fußpedal kann ich den Klang dann verlängern oder abdämpfen. Das Istrument ist für mich genau richtig. Es ist im Ensemble kaum zu hören und wenn es fehlt, fällt es kaum auf. Perfekt also, in Anbetracht der Tatsache, dass ich bis vor 14 Tagen nicht von der Existenz eines solchen Instrumentes wusste.

Im Moment befindet sich die Marching Band - unter Leitung von John Steward (mein Musiklehrer) -  in einer durchaus ernsten Krise. Beim letzten Bandcamp haben sich etliche Musiker mit irgendeiner Grippe infiziert. Von den ursprünglich über 80 Leuten sind teilweise nur 30 - 40 musizierfähig. Beste Voraussetzungen also. Neben mir sind dieses Jahr auch die beiden Taiwanerinnen und Oscar aus Honduras dem Front Ensemble der Marching Band beigetreten. So waren wir schon 4 Leute, die in der ersten Reihe stehen und ihr Instrument noch nie gespielt haben. Zur Info: Das Front Ensemble besteht aus den schweren Percussion Instrumenten (Chimes, Xylophone, Basstrommel, Gong, etc.) Das Front Ensemble marschiert nicht, sondern steht nur vor dem Rest der Band.

Auch wenn ich meine Parts in den 3 Stücken der Half-Time-Show gar nicht bis minimal beherrsche, wollte und sollte ich beim nächsten Heimspiel gegen die Martin County Tigers schon mit der Band spielen. Dieses Spiel sollte ausgerechnet auf den 11. September fallen - 9/11. Für mich sollte dieser 11. September zu einem ganz besonderen Tag werden. Den ganzen Tag über lag eine besondere Stimmung über St. Cloud, Florida und den USA. Wenn man den Alltag nicht kennt, wäre einem nicht aufgefallen, dass die Schülerlotsin mir keinen “nice day”, sondern einen “safe day” gewünscht hat. Ganz viele Kleinigkeiten dieser Art kommen da zusammen.

Vor dem Spielen der Nationalhymne am Abend wurde eine Schweigeminute eingelegt. Während der Nationalhymne hatten auch wir Ausländer nach Bitte von Mr. Steward die Hand auf dem Herzen. Sieht einheitlich aus. Mr. Steward ist Perfektionist. Nach den genauen Marschinstruktionen von meinem “Mentor” Casey sind wir dann mit unseren Instrumenten vor die Haupttribüne getreten. Dann ging es los. 12 Takte Intro, dann D B C D E in halben Noten und mein Job beim ersten Stück war getan. Aber im zweiten musste ich auch ran. American Elegy. Ein Stück, in dem getrauert wird um alles was Amerikaner verloren haben. Von der Challenger über 9/11 bis hin zu diversen Amokläufen. Da habe ich mich sehr drauf gefreut. Das Trompeten Intro von Junior (er heißt wirklich so) wurde nur von einem sanften Trommelwirbel und meinem wohlklingenden F Rohr begleitet. Das war die so ziemlich einzige Stelle, in der wenigstens ich mich hören konnte. Elijah, der den Trommelwirbel gespielt hat, war sich aber auch sicher ein sanftes F aus meiner Richtung wahrgenommen zu haben. Da waren wir aber auch die einzigen zwei. Soviel also zu “Can you hear the music?”.

Da wir wegen Regens schnell wieder abbauen mussten, blieb leider keine Zeit für ordentliche Fotos von mir in meiner Uniform. Hier aber mal zwei Eindrücke vom Auftrtt:

Auftritt 9/11 01

Auftritt 9/11 02

Nach dem Aufräumen wurde dann im Bandraum noch der 36. (Achtung Ironie!!) Geburtstag von dem guten John Steward gefeiert. Hier ist zu erwähnen, dass Mr. Steward das Gegenstück zum “heimischen” Herrn Jost ist. Klein, manchmal hektisch und ein toller Typ und Lehrer.

So langsam kehrt Alltag ein

Ja der Alltag macht sich in meinem amerikanischen Leben breit. Damit meine ich jetzt nicht, dass ich zu Beginn der Lunchbreak rennen muss um was warmes zu essen zu kriegen, sondern eher dieses monotone Aufstehen um 6:20 Uhr, den Müsli um 06:28 Uhr in die Schale zu schütten und das Aufs-Fahrrad-Setzen um 7:04 Uhr.

Coach Mullens Sportunterricht beginnt dann mit dem bei mir sehr beliebten Dehnen. Sowas wird im heimischen Sportuntericht ja gerne mal übersprungen. Was ich dann von dem Rest des Unterrichts lernen soll, weiß ich nicht. Mr. Plews AP Physics Kurs ist dann schon etwas produktiver. Noch kann ich da mein Vorwissen als einer von 3, die vorher schonmal Physik hatten, ausnutzen. Wie lange das noch geht weiß ich nicht. Mr Bierly’s Geschichtsunterricht ist dann irgentwie….naja….überflüssig. Lernen tut man da was, das hat aber nichts mit Bierly’s Lehr-Fähigkeiten zu tun sondern eher damit, dass man die Stunde rum bekommen will und dann im Buch blättert. An der Stelle an der ich bis Donnerstag noch dieses herzlich überflüssige “Peronal Fitness” hatte, habe ich ab sofort Drama. Ja DRAMA BABY DRAMA. Bin mal gespannt wie das wird.

Dann kommt die Zeit in der Schule Sinn macht. Es kommt die Lunchbreak. Die Lunchbreak beginnt mit einem gepflegten Um-die-Wette-Gehen wer als erster in der Reihe zur Essensausgabe steht. Wenn man dann an diesem vergitterten Fensterchen steht darf man zwischen einer Auswahl amerikanischer Delikatessen wählen. Meine bevorzugte wahl fällt da auf Cheeseburger und Pizza oder Cheesesticks. Dem Cheeseburger muss man zwar mit Ketchup und Mayo etwas Geschmack geben, er lässt sich dann aber auch gut verzehren. Die Pizza (mal mit mal ohne Salami) schmeckt (wenn sie denn warm ist) auch ganz gut und die Cheesesticks sind sowieso eine geniale Idee.

Auf die Lunchbreak folgt dann die Percussion Class, oder auch Musik Technik. Da lernen wir dann die richtige Haltung beim Spielen mit Sticks und in der nächsten Zeit werden wir uns ans Schlagzeug setzten. Percussion Class ist mit Abstand mein Lieblingsfach. Man sitzt nicht nur an Tischen sondern steht im Raum herum, sitzt im Kreis und macht natürlich Musik. Mr. Stewart hat auch kein Problem damit, wenn man etwas füher aus der Pause kommt und sich dann ein Bisschen am Schlagzeug vergnügt. Ohne die 5. Stunde wäre die Schule für mich wohl recht trostlos. Miss Blackburn kann da mit ihrem langweiligen Englischunterricht auch nichts dran ändern. Den Algebra II Kurs bei Mr. Deluca in der 7. Stunde kann man aber problemlos ertragen und es macht sogar Spaß. Ja, Mathe in den USA macht Spaß.

Nach dem Unterricht darf ich dann den kompletten Campus hoch zu meinem Schließfach rennen um meine kiloschweren Bücher zuu verstauen und dann kann ich wieder zurücklatschen und mich auf mein Fahrrad schwingen. So geht das dann mehr oder weniger jeden Tag…

They light the candle!

Nach mehreren Verschiebungen war es gestern Abend endlich so weit. Die Discovery sollte starten. Die Starts unter der Woche wollten wir aus unserem Garten verfolgen, gestern Mittag entschieden wir uns aber nach Titusville, ca. 20km westlich von der Startrampe, zu fahren.

So fuhren wir dann auch um halb acht los und kamen ohne Stau durch bis an die Straße in Titusville, die direkt am Flussufer entlangführt. Zwischen kleinen Parkplätzen, wo eine Parkgebühr von 20$ verlangt wurde, entdeckten wir eine Parkbucht, die gute Sicht auf das Kennedy Space Centre bot und nichts kosten sollte. Nach Parken und Auspacken von Stühlen, Getränken, Kameras und Ferngläsern begannen die 3 Stunden Wartezeit.

Die wurden mit Musik, Laptop, Reden und Herumlaufen verbracht. Mit der Zeit gesellten sich auch einige weitere Schaulustige zu uns. Darunter auch ein Ehepaar aus Lakeland, er hat eine Minute nach dem Start Geburtstag! In den 3 Stunden bin ich mit Ann und Andrew einmal zur Tankstelle gegangen und weil Andrew und mich dann der Hunger überfiel, sind wir noch zu McDonald’s gegangen um uns mit Burgern abzufüttern. Zurück zum Auto gingen die letzen 1 1/2 Stunden dann doch recht schnell rum.

Hinter uns stand jemand, der mit einem Bekannten telefoniert hat, der vor dem Fernseher saß. Um 23.50 Uhr kam dann die Aussage “8 minutes and 59 seconds” was für uns bedeutete: Es wird gestartet. Ab 9 Minuten vorher kann das Kontrolzentrum den Start nicht mehr abbrechen. Das Fernglas immer auf das Launchpad gerichtet, begannen dann 8 spannende Minuten. Ab 23.58 Uhr haben dann immer wieder Leute einen Countdown angezählt und mit einem Mal sprang es mir aus dem Mund:

“It’s coming, it’s coming! They light the candle”.

Mit dem Fernglas sah ich unter dem Shuttle Rauch und dann auch einen orangenen Feurerball. Langsam hob sich die Discovery in den stockdunkelen Himmel. Mit einem Mal wurde es hell und es bot sich ein atemberaubender Anblick.

Launch 01

Jetzt konnte man auch den Fluss sehen. Rechts auf dem Bild sieht man die Vehicle Assembly Hall, wo das Shuttle bis Anfang August für die Mission vorbereitet wurde.

So stieg die Discovery dann immer höher und schwenkte nach Norden ab und zog einen lange Rauchstreifen hinter sich her.

Launch 03

Launch 04

Launch 05

Nach 30-40 Sekunden kam dann auch in Titusville die Schallwelle der Explosion an. So langsam wurde das Orange dann nur noch zu einem leuchtenden weißen Punkt, der bald nur noch wie ein Starn aussah.

Nach einem Geburtstagsständchen wurden die Stühle, Kühlboxen und ähnliche Mitbringsel schnell zusammengepackt und das Auto wurde auf die Straße zurückgebracht. Da standen wir dann auch erstmal. Bis wir aus Titusville rauswaren, hat es ungefähr eine 3/4 Stunde gedauert.

So kamen wir dann um viertel vor 2 wieder in St. Cloud an. Mitgenommen habe ich die Erinnerung an ein Erlebnis, das ich so schnell nicht vergessen werde. Ein Space Shuttle starten zu sehen, ist etwas, das man nur schwer mit Worten beschreiben kann. Die enormen Kräfte, die da wirken, machen das zu einem unvergesslichen Erlebnis. Es war zwar schon nach 40 Sekunden vorbei, aber es waren die geilsten 40 Sekunden, die ich je erlebt habe…

Die Discovery lässt auf sich warten

Ich versuche jetzt ja schon seit einigen Tagen den ein oder anderen neidisch zu machen, indem ich erzähle, dass der Start des NASA Space Shuttles Discovery kurz bevorstünde. Das tut er auch. Der erste Termin war für Dienstagmorgen um 1.36 Uhr angesetzt. Wegen eines aufgetretenen Gewitters (die Blitze konnte man bis zu uns sehen) wurde der dann aber verschoben.

Der nächste Start war für heute Morgen um 1.10 Uhr geplant, wurde aber schon am Dienstag Nachmittag verschoben. Heute Nachmittag kam raus, dass der nächste Start für Donnerstagabend um 11.59 Uhr geplant ist. Auch da werden wir dann wieder aufstehen.

Die Gründe für die Startverschiebungen sind Wetterprobleme. Außerdem steht pro Start nur ein Zeitfenster von ca. 5 Minuten zu Verfügung. Würde das Shuttle außerhalb des Zeitfensters starten, würde es in eine falsche Umlaufbahn geraten.

Für weitere Fragen steht Ihnen Ihr Astronaut oder Physiklehrer zur Verfügung…

Ich verspreche aber, dass ihr früher oder später noch Bilder eines Shuttle Starts bekommen werdet.

Discovery Launch

(c) Wikipedia

Willkommen in der Realität

Die Realität sollte mich schon am Montagmorgen aus dem Bett holen. Eigentlich ging im Osceloa County am Montag schon die Schule los, ich durfte mich aber erst mal bei der Bezirksregierung und der Schule vorstellen. Dieses “Vorstellen” entpuppte sich als ein paar Papiere abgeben und sonst nichts. Bevor wir allerdings zur Bezirksregierung gefahren sind, haben wir Alex zur Schule gebracht. Das war so eine typische hard-core Amisache. Es gibt in den USA tatsächlich noch Schülerlotsen, es gibt hier aber auch Schulparkplatzrichtungsanweiser. Das sind Leute, die den herannahenden Eltern den schnellsten Weg zum Kids-Dropping zeigen sollen. Trotz Schulbussen wird hier noch ein Großteil der Kinder von den Eltern zu Schule gebracht und abgeholt. Warum auch nicht, der Liter Benzin kostet hier so um die 0.45€… Im Anschluss an die Behördengänge habe ich mir dann in Kissimmee eine Badehose, eine neue Kamera und eine Gitarre gekauft. Nach 5 musiklosen Tagen waren die ersten Akkorde doch etwas mühsam.

Nachdem ich dann am Nachmittag diverse New York Bekanntschaften abgeskyped habe und auch auf die ein oder andere Pinnwand geschrieben habe, ging es in ein nahe gelegenes Restaurant. Grund war, dass das Restaurant bei Vorlage eines Coupons (den man im Restaurant bekommt) 10% der Einnahmen an die Marchingband der High School spendet. In Amerika kann man sogar beim Essen etwas Gutes tun. Am Abend habe ich dann das erste Mal ein American Football Spiel aufmerksam verfolgt. Für Liebhaber des schnellen, europäischen Kombinationsfußballs ist es nicht gerade das Wahre. Es ging dann aber auch recht früh ins Bett, weil am nächsten Morgen um 1.36 Uhr ein Highlight des Jahres wartete. Das Space Shuttle Discovery sollte von Cape Canaveral aus starten - tat es aber nicht. Mysteriöserweise bin ich um 1.33 Uhr ganz von selbst aufgewacht und habe von der Terrasse aus Blitze aus der Richtung des Space Centres gesehen und da war klar, dass das mit dem Start nichts wird. Der nächste Start war für den nächsten Morgen um 1.10 Uhr angesetzt. Davor wartete aber der erste Tag an der St. Cloud High School auf mich.

Die Schule wird momentan umgebaut, sodass einige Klassen in Container verlegt wurden, meine aber nicht. Nach einer Stunde Wartezeit bei meinem Counsellor haben wir dann den Stundenplan zusammengestellt. Um English 3 (E3) und U.S. History (USH) kam ich nicht drum rum und in Physik hat mir die gute Dame sogar den Advanced Physics (APH) Kurs zugetraut. Dazu wurde mir dann auch Algebra II (A2) aufgedrückt. Außerdem wurden mir Teamsports (TS), Personal Fitness (PF) und Music Techniques (MT) empfohlen, was ich dann auch gewählt habe. Nachdem ich dann einen Locker bekommen habe, wurde ich von dem obligatorischen Security-Mann in seinem Golfcab (SCHS Limousine) zu meiner ersten Unterrichtsstunde gebracht. Wie der Zufall es wollte war es USH. Der recht sympathische Lehrer schien überhaupt kein Problem damit zu haben, dass der ein oder andere Schüler es sich bequem gemacht hat und die Augen langsam zufielen. Als nächstes stand PF auf dem Programm. Dort traf ich auf einen Kurs voller Muskelprotze und ganzen 3 Mädchen. PF ist sozusagen der Kurs für Leute, die etwas weniger Lust auf Schule haben (was habe ich da verloren?). Nach der Lunchbreak habe ich mich dann in Mr. Stewards MT Kurs eingefunden. Dort traf ich dann auch auf Leute, mit denen ich mir eine freundschaftliche Beziehung vorstellen könnte. In dem Kurs fanden sich auch einen Schüler aus Honduras und zwei Thailänderinnen wieder. Im ersten Englisch Unterricht wurden nur Bücher ausgeteilt, sodass ich gleich zum Mathekurs weiterspringen kann. Was ich gelernt habe? Wie man aus THE UNITED STATES OF AMERICA in 15 Schritten HOLLAND macht. Im Grunde handelte es sich um eine Übung, die trainieren sollte Anweisungen so zu befolgen wie sie gegeben sind. Danach wurde dann der Weg durch Zahlentypen, < > = Zeichen und Distributiv und Kommutativgesetze eingeschlagen.

So ging dann um 14.27 Uhr der erste Schultag für mich zu Ende. Ich denke, dass ich auf durchaus fähige Lehrer und einige nette Mitschüler getroffen bin und glaube, dass ich eine tolle Zeit an der St. Cloud Highschool verbringen werde.

Die ersten Tage

So langsam komme ich jetzt in St. Cloud an.

Am Samstag ist mein Körper in Orlando gelandet und wurde dann überraschenderweise erstmal zu einem medizinischen Check gebracht, wo natürlich beste Gesundheit attestiert wurde. Am Abend des ersten Tages habe ich dann Sean und Andrew zu dessen Tennistraining begleitet. Ich war selbst überrascht, wie viele Tenniskenntnisse ich aus meinem letzten Kroatienurlaub behalten habe. Auf dem Tenniscourt bin ich dann mit der ersten nicht familiären Person bekannt gemacht worden. Andrew’s Coach. Die Trainer heißen hier alle nur “Coach”. Ich habe mich dem dann auch angeschlossen. Wie erwähnt habe auch ich den einen oder anderen Ball geschlagen, aber mir machte schon bald die enorme Hitze einen Strich durch den Plan, weiter zu spielen.

Der Abend wurde mit Reden und Billardspielen verbracht. Sean und Ann kamen auf die geniale Idee ihren Söhnen vor ein paar Jahren einen Billardtisch zu Weihnachten zu schenken. Der steht jetzt in der Eingangshalle und wenn ich nachts schlafwandeln sollte, (was ich normalerweise nicht tue!!!) muss ich aufpassen, dass ich den Tisch nicht über den Haufen renne…

Am Sonntag stieg dann die mir lang angekündigte Welcome-Party. Es wurden ein paar Nachbarn, meine Betreuerin von der Organisation und einige Freunde eingeladen, die mich kennen lernen wollten. Die Party erwies sich als nettes Zusammensitzen mit Reden und gutem Essen. Ganze 5 Stunden lang musste ich dann mal mehr mal weniger mich, Dortmund und das Ruhrgebiet beschreiben. Spätestens an diesem Nachmittag ist dann auch mein geistiges Ich in St. Cloud angekommen.